Wenn man denkt: „Es geht nicht mehr schlimmer“ ist immer noch eine Steigerung möglich. Ich dachte ja früher mal, nach dem ich den Verkehr in Jakarta und Manila kannte, es könnte nicht schlimmer werden. Aber das hier übertrifft es. Schon im „Normalzustand“. Dann hat letzte Woche die Administration der Stadt beschlossen, das ganze noch zu steigern.

In der ganzen Stadt wurden in der Vergangenheit Ampelanlagen errichtet. Tatsächlich hat fast jede Kreuzung eine solche Anlage. Bisher hat das ganze niemanden interessiert. Die Ampeln haben zwar fleissig zwischen Rot, Gelb und Grün gewechselt, aber der Verkehr wurde im Prinzip durch Polizisten geregelt. Das funktionierte so halbwegs. Wenigstens ein Teil der Fahrzeuge richtete sich nach dem Polizisten.

Jetzt aber beschloss man, dass ab sofort die Ampeln das ganze übernehmen. Dazu stand in der Zeitung, dass ab dem folgenden Tag die Polizisten zwar auf den Kreuzungen sein werden, aber nichts mehr tun, um den Verkehr zu regeln, sondern nur darauf achten, dass sich alle nach der Ampel richten. Wer das nicht tut, wird entsprechend bestraft.

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Noch nicht ganz verstopfte Kreuzung

Am nächsten Morgen ging es also los. Wir kamen gegen 9:30 im Büro an und waren dort fast alleine. Man sagte uns, der Rest käme später. Verkehrschaos! Etwas später setzten wir uns dann zum Kunden in Bewegung. Für knapp 9 Kilometer haben wir nur etwas über 2 Stunden gebraucht. Am Abend zurück lag im gleichen Bereich.

Am nächsten Tag die Schlagzeile auf der Titelseite der Zeitung: „Ampeln stürzten die Stadt ins Chaos“. Dann der Artikel dazu. Man stellte gegen 11:00 Uhr fest, dass das mit den Ampeln so nicht funktionierte und schaltete diese ab und auf die alte Version mit dem Polizisten zurück. Der messerscharfe Schluss war: „Die Ampeln sind Mist.“

Leere Strasse am Feiertag

Leere Strasse am Feiertag

Auf die Idee, dass es auch am Verhalten der Fahrer liegen könnte, kommt man gar nicht erst. Dabei muss man sich das wirklich mal angesehen haben. Mindestens 50% des Verkehrs besteht aus Fahrrad- und Motorrikschas. Die halten sich sowieso an keine Regel. Ich würde auch mal davon ausgehen, dass die Mehrheit der Fahrer dieser Gefährte weder lesen noch schreiben können und auch der Rest eher selten die Zeitung liesst, so dass die vermutlich weder etwas von der neuen Regelung wussten noch überhaupt eine Ahnung davon haben, dass es so etwas wie Verkehrsregeln gibt und was diese leuchtenden Ständer am Strassenrand zu bedeuten haben. Da ist ein Polizist der mit einem Stock bedrohlich vor dem Gesicht herum wedelt eindeutig besser zu interpretieren. Der Rest Teilt sich auf in Busfahrer, die offenbar die Eigentümer der Strasse sind, und Autofahrer. Auch bei den Autofahrern geht es weniger darum, sicher und rücksichtsvoll ans Ziel zu gelangen, sondern 3 Sekunden vor dem Nachbarn. Regelmässig kommt der Verkehr an Kreuzungen völlig zum erliegen, weil man sich in alle Richtungen gegenseitig blockiert und es dann weder vor noch zurück geht. Das ganze muss dann in mühevoller Kleinarbeit entwirrt werden.

Am vergangenen Wochenende war die Stadt so gut wie leer. Ein grosser islamischer Feiertag, das Opferfest, hat die Stadt entvölkert. Jeder der konnte, fuhr nach Hause zu seiner Familie. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, das ganze noch mal auszuprobieren. Aber offenbar war ich der einzige, der auf diese Idee kam. Zwei mal wurde ich fast über den Haufen gefahren. Von einer Fahrradrikscha und von einem Auto. Beide Male war für diese die Fahrtrichtung eigentlich gesperrt.

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